Modehaus Kleene im Wandel der Zeit

Modehaus Kleene im Jahr 1925

Obwohl die ganz große Wirtschaftskrise der beginnenden zwanziger Jahre im Deutschen Reich überwunden schien, war die wirtschaftliche Lage 1924 doch immer noch sehr schwierig und labil. Dennoch entschloss sich der Emsteker Bauernsohn Bernard Kleene zu dieser Zeit, ein eigenes Textilgeschäft in seinem Heimatort zu eröffnen.

Es war zwar nicht mehr ungewöhnlich, dass Bauernsöhne des Oldenburger Münsterlandes einen Kaufmannsberuf erlernten und eigene Geschäfte gründeten (besonders aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es dafür zahlreiche Beispiele), dennoch ist der von Bernard Kleene gewählte Zeitpunkt Mitte der zwanziger Jahre eher ungewöhnlich.

v. l. Luise und Bernard Kleene

Bernard Kleene entstammte einem alten Emsteker Hof, der sich bereits seit dem Jahr 1498 nachweisen lässt. Fast 500 Jahre nach seiner ersten Nennung wurde der Hof Kleene 1973 an die Garther Straße ausgesiedelt und das Hofareal an Josef Büssing verkauft. Das ehemalige Bauernhaus in zentraler Emsteker Lage beherbergt heute das Werkhaus der Firma Büssing.

 

Geboren wurde Bernard Kleene am 14. Oktober 1899 als Sohn des Bauern Theodor Kleene und seiner Ehefrau Maria geb. Wahls, die aus Einen bei Goldenstedt stammte. Bevor der junge Kaufmann 1924 den Schritt in die Selbständigkeit wagte, hatte er eine entsprechende Ausbildung absolviert und sein Wissen in namhaften Geschäften in Bersenbrück, Oldenburg und Münster ausgebaut.

Blick in die Lange Straße, rechts Modehaus Kleene im Jahre 1957

Ende 1924 begann Bernard Kleene dann mit dem Bau eines Wohn- und Geschäftshauses auf einem von seinen Eltern geerbten Grundstück an der Langen Straße. Nach Monaten mühsamer Arbeit, bei der er selbst tatkräftig Hand anlegte, konnte er im Oktober des Jahres 1925 in dem neuen Gebäude ein kleines Textilgeschäft eröffnen. Im folgenden Jahr heiratete Bernard Kleene Luise Rawe, die gebürtig aus Lethe stammte. Luise hatte eine Ausbildung zur Putzmacherin im Emsteker Geschäft Knappe absolviert, und ihr war somit das Textilgeschäft nicht fremd.

 

Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor. Die beiden ältesten Kinder, Maria und Bernard, stiegen später in das Geschäft der Eltern ein. Bis es soweit war, hatte die Familie Kleene schwere Jahre zu meistern. Denn die älteste Tochter Maria war gerade mal 12 Jahre jung als Vater Bernard Kleene schon zu Kriegsbeginn 1939 zur Wehrmacht eingezogen wurde und nach wenigen Unterbrechungen erst im Oktober 1945 aus Italien kommend in die Heimat zurückkehrte. Schon am ersten Weltkrieg hatte er ab Juni 1917 als 17-jähriger teilnehmen müssen, war dort vor allem in Frankreich eingesetzt und kehrte erst im Juli 1919 nach Emstek zurück. In diesen Jahren, von 1939 bis 1945, hatte Mutter Luise neben der Familie auch noch die Last des Geschäftes zu meistern.

Modehaus Kleene im Jahre 1968

Während die älteste Tochter Maria schon in den Kriegsjahren angefangen war, im elterlichen Betrieb eine Ausbildung zur Putzmacherin zu absolvieren, begann Sohn Bernard im April 1943 eine Kaufmannsausbildung im Textilgeschäft Leffers in Lohne. Der Krieg zwang ihn aber im Frühjahr 1944 diese Ausbildung zu unterbrechen. Direkt nach dem Krieg besuchte Bernard dann zunächst als Übergangslösung die Handelsschule, bevor er ab 1948 seine kaufmännische Ausbildung bei Leffers in Lohne fortsetzen und erfolgreich im Frühjahr 1950 beenden konnte.

Anfang der sechziger Jahre war in einem Anbau des Geschäftshauses Kleene noch ein kleines Schlachtergeschäft der Familie Schlömer untergebracht. Bevor Bernard Kleene jun. 1964 Monika Reudink aus Cloppenburg heiratete, wurde der Pachtvertrag gekündigt und das gesamte Wohn- und Geschäftshaus nebst Anbau renoviert. Das junge Paar erhielt eine eigene Wohnung, und die Innenausstattung der Geschäftsräume wurde erneuert.

v. l. Maria, Bernard und Monika Kleene

Der Seniorchef Bernard und seine Frau hatten nun im Geschäft tatkräftige Unterstützung durch Tochter Maria, Sohn Bernard und Schwiegertochter Monika. Zusätzliches Leben ins Haus brachte in den folgenden Jahren die Geburt von drei Kindern.

 

Anfang der siebziger Jahre wurde die Putzmacherei aufgegeben. Hüte waren aus der Mode gekommen. 1975 wurde dann die Ladeneinrichtung den veränderten Anforderungen angepasst. Zur selben Zeit gewann das Geschäft mit Handarbeitsartikeln zunehmend an Bedeutung. Da Maria und Monika sich selbst sehr für Handarbeiten begeistern konnten, wurde 1979 erstmals im Saal Backhaus eine Handarbeitsausstellung veranstaltet, die auf eine große Resonanz stieß. Auch in den folgenden Jahren gab es ähnliche Ausstellungen, teilweise gemeinsam mit dem benachbarten Geschäft Büssing. Später ebbte der Handarbeitsboom dann wieder deutlich ab.
Im Jahre 1979 verstarb der Firmengründer Bernard Kleene im Alter von 80 Jahren.

 

Eine weitere Vergrößerung erfuhr das Geschäft durch einen Umbau im Jahre 1985. Zur gleichen Zeit entschied sich Sohn Bernd, inzwischen 19 Jahre jung, für den Beruf des Sparkassenkaufmanns. Die Nachfolge im Textil- und Modegeschäft wollte Sohn Peter antreten, der daher 1987eine kaufmännische Ausbildung im Modehaus Leffers in Osnabrück begann. In dieser Zeit lernte er auch Heike Comes aus Georgsmarienhütte kennen, die er einige Jahre später heiraten sollte. Sie durchlief ebenfalls eine Ausbildung in der Textil- und Modebranche.

 

Im Anschluss an die Ausbildung verbrachte Peter Kleene mehrere Jahre in München, wo er besonders im Unternehmen Hettlage, einem der führenden Modehäuser in München, wichtige Erfahrungen für seine berufliche Zukunft sammeln konnte.

Modehaus Kleene im Jahr 2010

1994 heirateten Peter und Heike Kleene und traten in das elterliche Unternehmen in Emstek ein. Es folgte ein großer Um- und Anbau am Wohn- und Geschäftshaus. Die Verkaufsfläche wurde verdreifacht und in der oberen Etage wurde der bisherige Wohnraum saniert und neuer Wohnraum geschaffen. Im August 1995 wurde dann ein neues, modernes Mode- und Textilhaus eröffnet. Auch eine Anpassung des Sortiments wurde vorgenommen. 1999 wurde zudem der Bereich Bettwäsche aus dem Sortiment genommen und weitere vier Jahre später war auch das Thema Handarbeitsartikel erledigt.

 

Im Jahre 2000 übergaben Bernard und Monika Kleene das Geschäft an Peter und Heike Kleene und zogen sich aus der Geschäftsführung komplett zurück. Im Jahr 2004 wurde die Verkaufsfläche noch einmal um100 qm erweitert und teilweise neu gestaltet. Hier fand die Herrenabteilung einen neuen Platz.

Heike und Peter Kleene

2010 wurde das Modehaus Kleene wieder umgebaut und modernisiert. Vom Boden bis zur Decke ist das Geschäft komplett renoviert worden. Eine neue Beleuchtung rückt das modische Angebot ins rechte Licht. Besonders ansprechend und kundenfreundlich ist die neue Strukturierung der Abteilungen: Für alle namhaften Labels stehen nun eigene Flächen bereit. So wurden Shops von Street One, Ceci, Mac und S.Oliver integriert. Das erleichtert die Übersicht, die Kunden finden sich jetzt noch besser zurecht.

 

Am 08. September 2014 wurde am Marktplatz in Emstek die neue Filiale "District" eröffnet. Hier findet wurde ein Markensortiment für junge und junggebliebene Kunden zusammen gestellt. Der Laden hat eine Verkaufsfläche von 170 qm.


Heute bietet das Unternehmen Mode von vielen bekannten Markenhersteller für die ganze Familie. Unterstützt von acht Mitarbeitern wird großer Wert auf kompetente Beratung, optimalen Service und gute Qualität gelegt. Die große Zahl treuer Stammkunden bezeugt, dass das Modehaus Kleene auch im 94. Jahr seines Bestehens auf einem guten Weg in die Zukunft ist.


Autor und Quelle: Markus Meckelnborg, Emsteker Truhe